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2012 - 2018
Der Raub der Proserpina – am Ufer von Vergangenheit und Zukunft

Künstlerischer Ausgangspunkt und Überlegungen zur Ideengeschichte


Der antike Mythos des Raub der Proserpina, mit seiner Einteilung des Zyklus der Jahreszeiten sowie dessen Ritus der Eleusinischen Mysterien waren im öffentlichen Leben der Antike von großer Bedeutung. Aber das Christentum hat bis ins 16. Jh. mit dessen Interpretation gerungen. In der Antike war die Symbolik durchaus auf Fruchtbarkeit und Feldwirtschaft sowie auf eine zyklische Wiedergeburt (zumindest) der Vegetation gerichtet, im Christentum auf jene des Lebens nach dem Tod. In der Renaissance traten die im antiken Mythos thematisierten Lebensverhältnisse in der Unterwelt wieder in den Blickwinkel.
Jahrhunderte hat das christliche Weltbild sich an diesem Aspekt des antiken Mythos mit seiner Freiheit der Vorstellungen von der Unterwelt, von Göttern mit menschlichen Schwächen, aber auch sorgenden Zügen (selbst bei Pluto als Herr der Unterwelt) gestoßen, ehe im Humanismus die Erkenntnis emanzipierter Weltbilder möglich wurde. Auf dieses Gut einer pluralistischen kulturellen Herkunft Europas möchte dieses partizipatorische Gesamtkunstwerk verweisen.

In ihm werden Grundthemen und Bilder der Kulturentwicklung sowie zeitgenössische Aspekte wie Nachhaltigkeit im Umgang mit (Natur-)Ressourcen miteinander überblendet. So nimmt der Handlungsrahmen der Film-Oper den Ablauf der Zyklen des Mythos auf, um reale Landschaften und gedachte Orte auf einander folgen zu lassen. Über die Handlungsverbindung im Hintergrund wird in sieben Bildern an prägnanten Orten österreichischer Naturkulissen inmitten historischer Kulturlandschaften versucht, auch kulturelle Vielfalt in der Lebensgestaltung zu evozieren. Wie in einer Raumzeit verwandeln sich Elemente realer Landschaften zu intelligenten Ressourcen sowie virtuellen Räumen an realen Orten.
Der Raub der Proserpina ereignet sich bei Ovid an einer Quelle und nimmt Bezug auf das Schicksal zweier Nymphen, deren Metamorphose sich im Mythos von der Personifikation einer Quelle bis hin zu ihrer eigenen Auflösung ins Element Wasser erstreckt. Diesen Biografien wird an den Quellen, Flüssen und Seen des Salzkammergutes nachgegangen werden.

Ein weiteres künstlerisches Ziel ist es, ein Werk aus verschiedenen Kunst- und Praxisformen zu realisieren, um vielstimmige Bilder zusammenzuführen. Daraus leitet sich das Konzept einer Werkkaskade aus Performance, partizipatorischem Happening, szenischer Filmarbeit, Bewegtbild-Produktion sowie virtuell generierten Bildräumen her.

Zur Übertragung des Mythos und seiner Weltsicht auf heutige Verhältnisse, werden Ober- und Unterwelt einander als Tag und Nacht, Land und Stadt, real und imaginiert gegenübergestellt sowie wiederkehrende Bildelemente eingesetzt, um die beständige Transition zwischen beiden hervorzuheben. Wenn z.B. imaginierte Orte durch Verwandlung eines Netzes oder schwebender dörrer Äste in reale Orte übergehen. Die Unterwelt wird stets differenziert ausgestaltet, mit Details, um einer Vorstellung ihrer langen Geschichte Ausdruck zu geben sowie ihrer Aufnahmekapazität für unterschiedlichste Wesen. Das heißt, all diese Metaphern weisen in erster Linie auf die Vielfalt unser geistigen Welt und unseres Vorstellungsvermögens. In diesem Sinne wird in der Film-Oper die Unterwelt zur belebten nächtlichen Stadt, in welcher Räume aus verschiedenen (Bau-)Zeiten selbstverständlich ineinander übergehen (z.B. im Prolog in Wien Lothringerstraße – Johannesgasse – Beethovenplatz – U4 Haltestelle Stadtpark – Hotel Intercontinental).

Allgemein orientiert sich das Setting der Film-Oper am frühen antiken Theater, indem es durchwegs einzelne PerformerInnen in Szene setzt und diesen einen (antiken) Chor in dessen Funktion als Zivilgesellschaft oder empathischer Gemeinde gegenüberstellt. In diesem Stück setzen PerformerInnen jeweils nur zu einer szenischen Handlung an, führen diese aber nicht gänzlich aus. Der ihnen gegenüberstehende Chor nimmt diesen Ansatz auf und antwortet auf ihn, indem er seinen Gefühlen oder Forderungen Ausdruck verleiht. Die Transition durch die Stadien von Realität und Imagination und durch die Welt des Denkens werden durch Kombinationen aus Kamerabildern von Schauplätzen und aus digitalen Bildern sowie durch Kameraaufnahmen technischer oder chemischer Prozesse z.B. von Materie oder Jahreszeiten dargestellt.
JD, 2015


Veranstaltung, Ort: Wien, Salzkammergut, weitere Orte

Werkegruppe Der Raub der Proserpina - Am Ufer der Nacht