Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom

Click für Zoom


2012 - 2022
Der Raub der Proserpina – am Ufer von Vergangenheit und Zukunft

Ein experimentelles Gesamtkunstwerk in Etappen ‘2014-2018‘

Thematischer Ausgangspunkt


Ein zeitgenössisches Gesamtkunstwerk über einen antiken Mythos aus den Metamorphosen von Ovid zu schaffen und insbesondere über den Raub der Proserpina führt über den Weg seiner langen Kulturgeschichte. Dabei lenkt die Geschichte der Lektüre des überragenden Werks einerseits auf die Rezeptionsgeschichte der nachfolgenden Jahrhunderte, andererseits zur Erkenntnis, dass mit dem Mythos und dessen Beschreibungen der Blick noch weiter zurück in die Kulturentwicklung geworfen werden kann. Ebenso beeindruckend und inspirierend ist auch die psychologische Tiefe von Ovids Beschreibungen, welche bis heute über nahezu zweitausend Jahre nicht an Wirkung verloren hat.

Die Metamorphosen haben mit ihren Mythen und Szenen die Kunst über Jahrhunderte inspiriert. Dieses zeitgenössische experimentelle Kunstwerk möchte aber die Handlung des Raubs der Proserpina nicht direkt nachzeichnen, sondern vielmehr jene inneren Bilder entwickeln, welche aus dem Eindruck der Lektüre insgesamt entstanden sind. Im Wesentlichen führte dabei die Inspiration zur Form des experimentellen Films als Gesamtkunstwerk: aus verschiedenen Praxisformen der Gegenwartskunst wie der Live-Performance, der partizipatorischen Kunst und den virtuellen Bewegtbild-Welten wird eine gewisse Vielstimmigkeit im Bild zusammengeführt. Diese soll auch den tieferen Gehalt des Mythos und seine Beschreibung der Gründe des Zyklus der Jahreszeiten ins Zentrum rücken.
Mit den Jahreszeiten werden im Raub der Proserpina (besonders schön in Ovids Version in den Fasten) gleichsam die mythischen Grundlagen der Feldwirtschaft und des Getreideanbaus beschrieben (Getreideanbau begann sich in Europa erst vor etwa siebentausend Jahren zu entwickeln). Die Darstellung von Zyklen wie Vegetation, Klima und Kultivierung des Bodens lässt denn auch Querverbindungen zu den Entwicklungen der Kulturtechniken zu und ganz besonders Assoziationen zu den komplexen ökologisch-ökonomischen Entwicklungen von heute unter dem gemeinsamen Nenner der ‚Sustainability’.
Der Raub der Proserpina ermöglicht aber neben dem Weiterdenken der technologisch-wissenschaftlichen Entwicklungsebene auch einen tiefen Einblick in die frühe Entfaltung menschlicher intellektueller und emotionaler Kompetenzen. Als Beispiel sei hier nur die Kunstfertigkeit Ovids bei dessen psychologischer Ausgestaltung der Charakterzüge der Götter und Göttinnen in den Metamorphosen erwähnt, mit welcher er alle ihre Tiefen und Untiefen gleich wie bei Menschen beschreibt. Mit dieser Verkürzung in der Beschreibung gelingt es dem antiken Dichter die Akzeptanz seitens der LeserInnen (von damals!) zu gewinnen, sich in den eigenen Spiegel zu schauen.

Aus dem Genannten soll insgesamt hervorgehen, dass im hier vorzustellenden Film vor allem Kreisläufe inszeniert werden und es im Fall von Proserpina eben um jenen zwischen Ober- und Unterwelt geht, der scheint’s aus einem Handel zwischen den beteiligten Göttern hervorgegangen ist. Im Film kommt es jedenfalls zur Gegenüberstellung zwischen einer realen und einer mentalen inneren Welt und damit zur Verbildlichung des Maßstabs bzw. des Vermögens an gedanklicher Ordnungsfähigkeit (in der Welt).
Dabei ist es für die Themen und Praxen der Gegenwartskunst nicht unbedeutend, zu wissen, weshalb die der Antike nachfolgende Epoche ein Jahrtausend lang mit der Interpretation der Beschreibungen Ovids gerungen hat und erst an einem ihrer eigenen kulturellen Höhepunkte in der Renaissance im Zentrum ihrer Macht und Spiritualität eine philologisch-wissenschaftliche Betrachtung der antiken (literarischen) Inhalte als emanzipierte Weltbilder ermöglichen konnte. Das Aufkeimen des Humanismus konnte bekanntlich dann durch die nachfolgenden weltanschaulichen vernichtenden Konflikte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Der Grundstein für die nochmals viel spätere Aufklärung und Säkularisierung Europas blieb gewahrt, diese Schicksale und Kreisläufe der Geschichte drängen sich auch bei der Lektüre des Raubs der Proserpina zurück ins kulturelle Gedächtnis.


Zum Handlungskonzept


Über die Handlungsverbindung im Hintergrund wird an prägnanten Orten des Salzkammergutes und darüber hinaus in Naturkulissen die Entstehung von Kulturlandschaft inszeniert. Dabei überblenden einander Bilder der Kulturentwicklung sowie zeitgenössische Aspekte ebenso wie kulturelle Vielfalt in der Lebensgestaltung.
Die künstlerische Darstellung des Wechsels der Jahreszeiten und der kulturellen Verwandlung des Lebens fängt gleichzeitig auch etwas von der Spiegelung europäischer Kulturgeschichte vor Ort ein: Etwa die Veränderungen von ‚1914 / 1918’ bis heute oder das Salzkammergut, das mit der Hallstatt-Kultur einer Entwicklungsstufe den Namen gegeben hat, die zentrale Bedeutung der Seen-Landschaft mit ihrer besonderen Verbindung von Kultur- und Tourismusgeschichte, weiters die Industriegeschichte flussaufwärts der Traun im ehemaligen Kohlerevier im Hausruck, wo heute ‚Bodenschätze’ in bisher nicht möglicher Qualität mit neuesten Technologien erschlossen werden.

In diesen Regionen kann mit den Mitteln der Neuen Medien und des Gesamtkunstwerks unter Beteiligung der dort lebenden Menschen eine kulturelle Transformation filmisch gestaltet werden, welche quasi dem historischen Bogen vom Ausgang der Römischen Zivilisation und der Hallstatt-Kultur bis zur Donaumonarchie und weiter zur zeitgenössisch international verflochtenen Lebenswelt nachspürt. Der Reiz an der Entwicklung dieses Gesamtkunstwerks liegt in den differenzierten Möglichkeiten der Teilnahme unterschiedlicher Menschengruppen und Landschaftskulissen. Die ersten Stationen wurden insbesondere auch im Hinblick auf ihre touristische Dynamik ausgewählt, ohne dass diese gezeigt wird, sondern um deren Wiedererkennbarkeit zu transformieren, wie dies meist auch mit Erinnerungsbildern geschieht.

Auf diese Weise wird ein filmisches Essay über den Raub der Proserpina in sieben Bildern und an sieben Schauplätzen gedreht mit einem im Hintergrund ablaufenden Zyklus zwischen Ober- und Unterwelt oder zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter, Land und Stadt oder zwischen real und gedacht. Jeder Schauplatz bildet einen in sich geschlossenen Nukleus, eine eigene Erzählung.

Das Setting des Films orientiert sich im übertragenen Sinn am Antiken Theater, als nur einzelne PerformerInnen in Szene gesetzt werden und diese ein „antiker“ Chor begleitet und dabei seine Funktion als Gesellschaft, als aktives Publikum einbringt. Ohne Dialoge setzen die PerformerInnen im Film zu szenischer Handlung an, aber ohne diese zu Ende zu führen. Auf den Ansatz einer Handlung antwortet der Chor und bringt dabei seine Haltung zum Ausdruck oder verweist auf mögliche Erinnerungen der Geschichte. Im Film sollen sich drei Stränge parallel stets fortschreiben: die Handlungsandeutungen, die Transformationen im Bild der Umgebung und die Reflexionen des Chores.
JD, 2017


Veranstaltung, Ort: Wien, Salzkammergut, weitere Orte

Werkegruppe Der Raub der Proserpina - Am Ufer der Nacht